Für welche Studiengänge braucht man heutzutage noch das Latinum? 2026

Das Latinum hat im deutschen Hochschulsystem längst nicht mehr die Bedeutung, die es noch vor einigen Jahrzehnten hatte. Für Medizin, Zahnmedizin und Jura ist ein Latinum heute grundsätzlich keine allgemeine Voraussetzung mehr. In zahlreichen geisteswissenschaftlichen und theologischen Studiengängen können Lateinkenntnisse dagegen weiterhin vorgeschrieben oder zumindest für den Studienverlauf wichtig sein.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht jeder Studiengang verlangt tatsächlich das Latinum. Manche Hochschulen verlangen lediglich „gesicherte“ oder „ausreichende“ Lateinkenntnisse. Außerdem unterscheiden sich die Anforderungen nach Universität, Bundesland, Studienabschluss und Studienordnung. Die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass Hochschulen bei bestimmten geisteswissenschaftlichen Fächern und Lehramtsstudiengängen Lateinkenntnisse verlangen können.

Welche Studiengänge verlangen 2026 noch das Latinum?

Besonders relevant sind Studiengänge, die sich unmittelbar mit antiken, mittelalterlichen oder theologischen Quellen beschäftigen. Dazu gehören vor allem:

Studienbereich Latinum 2026 Typische Situation
Lateinische Philologie / Latinistik Ja, häufig Oft bereits Zugangsvoraussetzung
Klassische Philologie Ja, häufig Latinum bzw. entsprechende Kenntnisse
Geschichte Teilweise Je nach Hochschule und Studienabschluss
Alte Geschichte Häufig Lateinkenntnisse häufig erforderlich
Mittelalterliche Geschichte Häufig Latein für Quellenarbeit wichtig
Klassische Archäologie Teilweise Anforderungen je nach Studiengang
Theologie Häufig Latein neben Griechisch und/oder Hebräisch
Lehramt Geschichte Teilweise bis häufig Besonders bei Gymnasiallehramt
Lehramt Latein Ja Latein ist Kernfach
Lehramt Religion Häufig Je nach Konfession und Hochschule
Philosophie Teilweise Vor allem bei historischen Schwerpunkten
Germanistik Teilweise Besonders bei älteren Sprach- und Literaturstufen
Romanistik Teilweise An einzelnen Hochschulen
Medizin Nein Kein allgemeines Latinum erforderlich
Zahnmedizin Nein bzw. Ersatzregelungen Kein allgemeines Latinum
Jura Nein Kein allgemeines Latinum erforderlich

Diese Tabelle ist als Orientierung zu verstehen. Verbindlich sind immer die aktuellen Studien- und Prüfungsordnungen der jeweiligen Hochschule.

Lateinische Philologie: Das Latinum ist besonders naheliegend

Wer Lateinische Philologie, Latinistik oder ein vergleichbares Studium der lateinischen Sprache und Literatur aufnehmen möchte, benötigt besonders häufig bereits Lateinkenntnisse.

Die Philipps-Universität Marburg nennt für den Bachelorstudiengang Latinistik beispielsweise ausdrücklich das Latinum als vor der Zulassung nachzuweisende studienfachspezifische Voraussetzung.

Auch die Freie Universität Berlin führt für den Kombi-Bachelor Lateinische Philologie zusätzliche Zugangsvoraussetzungen auf. Für bestimmte Modulangebote wird das Latinum beziehungsweise ein entsprechender Vorbereitungskurs verlangt.

Das ist nachvollziehbar, weil im Studium von Anfang an mit lateinischen Originaltexten gearbeitet wird. Übersetzung, Grammatik, Literaturgeschichte und die historische Entwicklung der lateinischen Sprache gehören zu den zentralen Bestandteilen des Fachs.

Geschichte: Latein kann entscheidend sein

Beim Geschichtsstudium ist die Situation differenzierter. Ein allgemeines bundesweites „Latinum für Geschichte“ gibt es nicht.

Entscheidend ist, welche historische Epoche und welche Universität gewählt wird. Wer sich beispielsweise auf Alte Geschichte, Mittelalter oder bestimmte Bereiche der europäischen Geschichte spezialisiert, arbeitet teilweise mit lateinischen Quellen.

Die Universität Augsburg verlangt im Bachelor Geschichte beispielsweise Lateinkenntnisse bis zur Anmeldung der Bachelorarbeit. Auch im Master Historische Wissenschaften werden entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt. Gleichzeitig bietet die Universität Möglichkeiten, die Kenntnisse während des Studiums nachzuholen.

An anderen Hochschulen können dagegen andere Regelungen gelten. Deshalb sollte vor der Bewerbung unbedingt die konkrete Studienordnung geprüft werden.

Lehramt: Latein kann für mehrere Fächer relevant sein

Eine besonders große Bedeutung besitzt Latein weiterhin bei bestimmten Lehramtsstudiengängen.

Die Anforderungen können dabei überraschend umfangreich sein. An der Universität Paderborn müssen Studierende beispielsweise für das Lehramt an Gymnasien in Geschichte, Philosophie sowie evangelischer oder katholischer Religionslehre Lateinkenntnisse auf dem Niveau eines Kleinen Latinums nachweisen.

Auch andere Hochschulen verlangen Lateinkenntnisse für weitere Lehramtsfächer. Die Universität Augsburg nennt unter anderem Geschichte, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch sowie katholische und evangelische Religionslehre.

Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich allerdings nach Bundesland und Hochschule. Ein vollständiges Latinum ist daher nicht automatisch für jedes Lehramtsstudium erforderlich.

Theologie: Latein neben Griechisch und Hebräisch

Bei Theologie spielt Latein weiterhin eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist das Fach ein Sonderfall, weil neben Latein auch Altgriechisch und Hebräisch relevant sein können.

An der Universität Würzburg müssen Studierende im Studiengang Katholische Theologie mit dem Abschluss Magister Theologiae beispielsweise Kenntnisse in Latein, Griechisch und Hebräisch bis zum vierten Semester nachweisen.

Auch die Universität Trier nennt katholische Religionslehre als Studienbereich, in dem entsprechende Sprachkenntnisse erforderlich sind. Beim Lehramt können Latein sowie Kenntnisse der biblischen Sprachen eine Rolle spielen.

Wer Theologie studieren möchte, sollte deshalb nicht nur nach dem Begriff „Latinum“ suchen, sondern die vollständigen Anforderungen des jeweiligen Studiengangs prüfen.

Klassische Archäologie und Alte Geschichte

Auch für Klassische Archäologie und Studiengänge zur Antike können Lateinkenntnisse erforderlich sein.

Die Universität Würzburg nennt beispielsweise gesicherte Lateinkenntnisse für den Master Klassische Archäologie. Für Alte Geschichte können bei weiterführenden wissenschaftlichen Qualifikationen ebenfalls Latein- und Griechischkenntnisse relevant werden.

An der Universität Leipzig setzt der Masterstudiengang „Klassische Antike: Geschichte und Literatur“ beispielsweise das Latinum voraus; bei einer Spezialisierung auf Latinistik oder Hellenistik kommt zusätzlich das Graecum hinzu.

Philosophie: Nicht immer Pflicht

Auch in der Philosophie ist Latein nicht grundsätzlich für jedes Studium vorgeschrieben.

Anders kann es aussehen, wenn der Studiengang einen historischen Schwerpunkt besitzt. Wer beispielsweise mittelalterliche Philosophie, scholastische Texte oder die Geschichte der Philosophie intensiv studiert, kann auf lateinische Quellen treffen.

Deshalb ist Philosophie ein gutes Beispiel dafür, warum die Frage „Brauche ich für dieses Fach das Latinum?“ nicht pauschal beantwortet werden kann. Entscheidend ist die konkrete Studienordnung.

Germanistik und Literaturwissenschaft

Auch in der Germanistik können Lateinkenntnisse eine Rolle spielen. Das gilt insbesondere für historische Sprach- und Literaturwissenschaft sowie bestimmte weiterführende Studiengänge.

Die Bundesagentur für Arbeit nennt Germanistik, Philosophie, Sprachwissenschaften und Geschichte ausdrücklich als geisteswissenschaftliche Bereiche, in denen Lateinkenntnisse häufig zu den Zugangsvoraussetzungen gehören können.

Allerdings bedeutet „Lateinkenntnisse“ nicht automatisch „Latinum“. Manche Hochschulen akzeptieren geringere beziehungsweise fachbezogene Kenntnisse.

Romanistik: Latein trotz moderner Sprachen?

Auch bei Fächern wie Französisch, Italienisch oder Spanisch kann Latein eine Rolle spielen. Der Grund liegt unter anderem in der historischen Entwicklung der romanischen Sprachen aus dem Lateinischen.

Die Anforderungen sind jedoch nicht einheitlich. Die Universität Augsburg nennt beispielsweise mehrere romanistische Lehramtsfächer, bei denen Lateinkenntnisse bis zum Ersten Staatsexamen vorausgesetzt werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Studierende der Romanistik bundesweit ein Latinum vorweisen muss.

Braucht man für Medizin noch das Latinum?

Nein, ein allgemeines Latinum ist für ein Medizinstudium 2026 nicht erforderlich.

Auch die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass für Medizin, Zahnmedizin und Jura kein Latinum mehr erforderlich ist.

Das bedeutet nicht, dass Latein im medizinischen Bereich keine Rolle spielt. Viele Fachbegriffe stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen. Im Studium wird jedoch medizinische Terminologie vermittelt, ohne dass dafür das klassische Latinum als allgemeine Zugangsvoraussetzung erforderlich wäre.

Bei Zahnmedizin gibt es an einzelnen Hochschulen zudem besondere Regelungen. Die Universität Würzburg nennt beispielsweise eine Lateinprüfung beziehungsweise die Möglichkeit, diese durch die erfolgreiche Teilnahme an Veranstaltungen zur medizinischen Terminologie zu ersetzen.

Braucht man für Jura noch das Latinum?

Auch für Rechtswissenschaften beziehungsweise Jura ist das Latinum 2026 grundsätzlich keine allgemeine Studienvoraussetzung.

Lateinische Begriffe gehören zwar weiterhin zur juristischen Fachsprache, daraus folgt aber nicht, dass Studierende ein Latinum besitzen müssen.

Anders kann die Situation bei einer späteren wissenschaftlichen Spezialisierung aussehen. Die Universität Würzburg nennt beispielsweise Lateinkenntnisse für bestimmte Promotionswege im Bereich Jura, insbesondere beim Erwerb des Doktorgrades beider Rechte.

Muss man das Latinum schon beim Abitur haben?

Nein. In vielen Fällen kann man fehlende Lateinkenntnisse während des Studiums nachholen.

Hochschulen bieten dafür häufig eigene Sprachkurse, Intensivkurse oder Prüfungen an. Die Universität Augsburg beispielsweise ermöglicht Studierenden ohne Lateinkenntnisse den Erwerb der benötigten Kenntnisse über ein universitäres Kursprogramm.

Auch die Universität Paderborn bietet entsprechende Vorbereitungsmöglichkeiten für Studierende an, die das benötigte Niveau nicht bereits in der Schule erworben haben.

Allerdings sollte man genau prüfen, bis zu welchem Zeitpunkt der Nachweis erforderlich ist. Manche Studiengänge verlangen ihn bereits zur Einschreibung, andere erst für eine bestimmte Modulprüfung, die Bachelorarbeit, den Master oder das Staatsexamen.

Latinum, Kleines Latinum oder „gesicherte Lateinkenntnisse“?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bezeichnung der verlangten Sprachkenntnisse.

Hochschulen unterscheiden beispielsweise zwischen:

  • Latinum
  • Großem Latinum
  • Kleinem Latinum
  • gesicherten Lateinkenntnissen
  • ausreichenden Lateinkenntnissen

Diese Begriffe sind nicht überall völlig gleichbedeutend.

Die Universität Würzburg beschreibt beispielsweise unterschiedliche Anforderungsstufen und weist darauf hin, dass je nach Studiengang gesicherte, ausreichende Lateinkenntnisse oder das Latinum verlangt werden können.

Wer bereits Latein in der Schule hatte, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass er eine zusätzliche Latinumsprüfung benötigt.

Was gilt 2026 als wichtigste Faustregel?

Für die Studienwahl 2026 lässt sich folgende Orientierung geben:

Besonders häufig erforderlich:
Lateinische Philologie, Latinistik und bestimmte Studiengänge zur klassischen Antike.

Häufig beziehungsweise je nach Hochschule erforderlich:
Geschichte, Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Klassische Archäologie, Theologie und bestimmte Lehramtsfächer.

Teilweise erforderlich:
Philosophie, Germanistik, Sprach- und Literaturwissenschaften sowie einzelne romanistische Studiengänge.

Grundsätzlich nicht erforderlich:
Medizin und Jura. Auch bei Zahnmedizin besteht kein allgemeines Erfordernis des klassischen Latinums, wobei einzelne Hochschulen besondere Regelungen zu Lateinkenntnissen oder medizinischer Terminologie haben können.

Fazit: Das Latinum ist 2026 kein allgemeiner Studiennachweis mehr

Das Latinum ist im Jahr 2026 keineswegs bedeutungslos, aber seine Funktion hat sich verändert. Für viele moderne Studiengänge ist es überhaupt nicht notwendig. Besonders relevant bleibt es dagegen überall dort, wo historische lateinische Quellen, antike Literatur, mittelalterliche Texte oder kirchen- und wissenschaftsgeschichtliche Dokumente untersucht werden.

Wer Latein, bestimmte Bereiche der Geschichte, Theologie, Klassische Archäologie oder entsprechende Lehramtsfächer studieren möchte, sollte deshalb frühzeitig prüfen, ob das Latinum oder ein bestimmtes Niveau an Lateinkenntnissen verlangt wird.

Die wichtigste Regel lautet: Nicht der Name des Studienfachs allein entscheidet, sondern die konkrete Studien- und Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule. Die Anforderungen können sich zwischen Universitäten und Bundesländern unterscheiden. Die Universität Freiburg weist deshalb ebenfalls darauf hin, dass die verbindlichen Anforderungen direkt beim jeweiligen Studienfach beziehungsweise Prüfungsamt erfragt werden sollten.

Quellen