Im Cirkus

 

Ich kam nicht in den Cirkus
Aus Liebe zum edlen Sport.
Ich kam, um dich zu sehen,
Ich wußte, du bist dort.

Laß uns denn schaun selbander,
Wie's jedem wohlgethan:
ich blick in deine Augen,
Duch blickst hinab auf die Bahn.

Wohl ihm, dem Rosselenker,
Der würdig deiner Gunst.
Wär ich's, ich umsauste die Säule
Des Ziels mit gewaltiger Kunst.

Doch freilich, wenn mir begegnet'
Dein Auge auf hohem Gespann,
Entglitte mir der Zügel,
Vor Staunen im Lauf hielt' ich an.

Was rückst du von meiner Seite
Auf einmal so geschwind?
Hier ist das enge Sitzen
Ein löblicher Brauch, mein Kind

Du da zur Rechten, dränge
Nicht! Du aber hinten zieh
- Du drückst ihr ein den Rücken -
An dich die spitzigen Knie.

Dein Mantel liegt am Boden,
Heb' ihn nicht auf, ich thu's.
O neidisches Kleid, du verdecktest
Ach, einen so reizenden Fuß.

Ei, ei! Wie hübsch! Solch Füßchen
Hätt' gern mit liebender Hand
Melanion der Atalanta,
Der Jägerin umspannt.

Solch Füßchen malt wohl der Künstler
Der Artemis, die auf der Flucht
Des flücht'gen Wildes Spuren
Verfolgt in Thal und Schlucht.

Solch Füßchen ist mir Wonne
Und Augenweide. Wer weiß,
Was keusch noch birgt die Gewandung!
Doch wie? Brennt die Sonne so heiß?

Soll ich dir Kühlung fächeln?
Mein Fächer ist bereit.
Brennt's aber mir im Herzen,
Dann ist es Liebesleid.

Ein häßlich Stäubchen flog dir
Auf's weiße Kleidchen dort
Indes ich sprach. Fort mit dir,
Vom schneeigen Körper fort!

Schon naht der Zug der Götter,
Nun, Leute, schweiget fein!
Voran die Göttin des Sieges,
Sie mag mir gnädig sein.

Und nun Poseidon, der Herrscher,
Ich traute ihm nicht zu sehr.
Mir ist genug die Erde;
Was thue ich mit dem Meer?

Und nun der Gott der Schlachten,
Ich ihn nicht leiden - nein!
Mein Herz sehnt sich nach Frieden,
Der eignet der Liebe allein.

Und nun Apollo, die Seher
Begrüßen die inniglich,
Dich, Artemis, die Jäger,
Die Künstler, Athen, dich.

Ich bückte mich nur vor einer,
Der Aphrodite. - Du,
Du Stahlende, lenke die Sinne
Mir meines Mädchens zu.

Sie that's, sie winkte Erhörung
Ich schöre, liebliche Maid,
Beim ganzen Zuge der Götter:
Dein bin ich für alle Zeit.

Dein Füßchen zu stützen, setze
Ins Gitter vor dir es geschwind.
Nun ist geräumt der Cirkus,
Das Wagenrennen beginnt.

Der Prätor öffnet die Schranken,
Die Rosse sausen dahin.
Ich weiß, wen du begünstigst,
Wohin sich neigt dein Sinn.

Weh mir! Er schießt im Bogen
Weitläufig um das Ziel.
Der Folgende drängt sich behende
Ihm vor und gewinnt das Spiel.

Feigling, der Gunst nicht würdig!
Quiriten, ruft ihn zurük!
Sie thun's, sie schwingen die Togen,
O wende ab den Blick!

Und wieder sind offen die Schranken,
Und wieder donnert der Huf.
O siege doch jetzt und erfülle
Doch jetzt der Gebieterin Ruf.

Er siegt, er trägt die Palme.
- Ich kämpfe noch imme darum,
O Weib, was lachst du so schelmisch?
O Weib, was bleibst du so stumm?