Kapitel 5

Lucius Catilina, der von edler Herkunft war, war von großer Kraft des Körpers und des Geistes, aber er hatte einen schlechten Charakter. Bürgerkrieg, Raub, Mord und Volksuneinigkeit gefielen ihm und er übte sich darin in seiner Jugend. Sein Körper war unempfindlich gegen Hunger, Kälte und Schlafentzug als man glauben wollte. Sein Geist war kühn, heimtückisch und unberechenbar, weswegen er Tatsachen vorgeben und verheimlichen konnte, wie es ihm beliebte; er verfügte über anderer Leute Sachen, verschwendete den eigenen Besitz und brannte darauf seine Wünsche durchzusetzen; er war von großer Überredungskunst und von kleiner Einsicht. Sein maßloses Gemüt wünschte sich immer die grenzenlosesten und unglaublichsten Sachen.Während der Herrschaft von Lucius Sulla wünschte er sich mit großer Begierde den Staat einzunehmen, und ihm war es gleich, auf welche Art er das erreichen würde, was nötig war, um seine Herrschaft vorzubereiten, welche er für sich haben begehrte. So wurde sein wildes Gemüt durch das Fehlen von familiären Dingen und durch sein verbrecherisches Bewußtsein von Tag zu Tag mehr und mehr bedrängt, was er durch eben dargestelltes noch steigerte. Ein weiterer Antrieb waren außerdem die verdorbenen Sitten des Staates, welche durch die zwei schlimmsten, sich untereinander widersprechenden Übel, Habsucht und Verschwendung, verwüstet wurden. Der Stoff selbst scheint dazu aufzufordern weiter zurückzugreifen und mit wenigen Worten die Einrichtungen der Vorfahren in Krieg und Frieden und wie sie öffentliche Angelegenheiten behandelt haben, wie sie ihn hinterlassen haben, um sich später allmählich zu ändern und aus dem schönsten und besten zum schlechtesten und schändlichsten gemacht worden ist, zu erörtern.