Kapitel 3

Da es zahlreiche Arten von Leistungen gibt, hat jeder die Möglichkeit, die seiner Veranlagung entsprechende zu finden.  Es ist eine lohnende Aufgabe, in der Politik tätig zu sein, es hat auch seine Berechtigung, die Kunst des Wortes zu beherrschen; man kann im Frieden oder im Krieg berühmt werden. Wer selbst etwas geleistet hat oder die Leistungen anderer beschrieben hat, findet weitgehend Anerkennung. Und, obwohl der Schriftsteller nie so berühmt wird wie derjenige, dessen Erfolge er beschreibt, erscheint es mir doch äußerst schwierig, historische Ereignisse darzustellen: Zunächst müssen erfolgreiche Taten durch das Wortkunstwerk überzeugend berichtet werden; weiter werden kritische Bemerkungen meist als Zeichen von Böswilligkeit und Neid angesehen; äußert man sich anerkennend zu Tätigkeit und Erfolg tüchtiger Politiker, dann hält der Leser das für selbstverständlich, was er sich selbst auch zutrauen würde, alles andere für maßlos übertrieben. Als junger Mann widmete ich mich zunächst wie die meisten meiner Altersgenossen der Politik, die mir aber bald verleidet wurde.  Denn an Stelle von Taktgefühl, Zurückhaltung und Leistung herrschten Frechheit, Bestechlichkeit und Habsucht.  Zwar lehnte ich diese Mißstände ab, weil sie meinem Wesen fremd waren; dennoch konnte ich mich, da ich sittlich und geistig noch keinen festen Standpunkt bezogen hatte und der Ehrgeiz mich antrieb, nicht von diesen Einflüssen freimachen. Obwohl ich mich von dem üblen Verhalten der anderen distanzierte, hatte ich doch unter böswilliger Nachrede und Mißgunst zu leiden wie sie, einfach weil ich mich aus Ehrgeiz politisch betätigte.