Kapitel 12

(1) Es gibt den Fluß Arar, der durch das Land der Häduer und Sequaner der
Rhone zufließt in unglaublicher Langsamkeit, so daß man mit den Augen nicht
beurteilen kann, nach welcher Seite er fließt. Die Helvetier waren gerade
dabei, ihn auf Flößen und zusammengekoppelten Kähnen zu überschreiten.

(2) Sobald Caesar durch Kundschafter erfuhr, daß die Helvetier bereits drei
Viertel ihrer Streitkräfte über diesen Fluß geführt hatten, daß etwa ein
Viertel noch diesseits der Saone übrig sei, gelangte er, noch während der
dritten Nachtwache mit drei Legionen auf dem Lager aufgebrochen seiend, zu
dem Teile, der noch nicht den Fluß überschritten hatte.

(3) Er griff sie, die nicht kampfbereit und ahnungslos waren, an und machte
einen großen Teil von ihnen nieder; die Übrigen flohen und verbargen sich
in den nächsten Wäldern.

(4) Dieser Gau hieß Tigurinischer: denn die gesamte helvetische Bevölkerung
zerfällt in vier Gaue.

(5) Dieser eine Gau hatte, als er die Heimat zur Zeit unserer Väter
verlassen hatte, den Konsul Lucius Cassius getötet und sein Heer unters
Joch geschickt.

(6) So mußte, sei es durch Zufall oder nach dem Ratschluß der unsterblichen
Götter, derjenige Teil der helvetischen Bevölkerung, der dem römischen
Volke eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, zuerst büßen.

(7) Dabei rächte Caesar nicht nur staatliches, sondern auch privates
Unrecht, weil seines Schwiegervaters Lucius Piso Großvater, den Legaten
Lucius Piso, die Tiguriner in demselben Treffen wie den Cassius getötet
hatten.