C. Plinius grüßt seinen Paulinus

Der eine so, der andre so; ich halte den für den glücklichsten Menschen, der im Vorgenuß eines guten, bleibenden Rufes, seines Nachlebens sicher, mit seinem zukünftigen Ruhme lebt. Hätte ich nicht den Preis der Unsterblichkeit vor Augen, dann könnte mir jene tiefe, gemächliche Ruhe schon behagen. Alle Menschen müssen sich ja wohl in Gedanken mit ihrer Sterblichkeit oder Unsterblichkeit beschäftigen; die einen müssen kämpfen und streben, die andern ausruhen, sich entspannen und ihr kurzes Leben nicht durch sinnlose Arbeiten ermüden, wie ich es viele tun sehe, die unter dem kläglichen und zugleich unbefriedigenden Schein angestrengter Tätigkeit doch nur zur Erkenntnis ihrer Bedeutungslosigkeit gelangen. Nur Dir sage ich das, was ich tagtäglich auch mir selbst sage, um damit aufzuhören, wenn Du anderer Meinung bist; freilich wirst Du nicht andrer Meinung sein, wo Deine Gedanken stets bei etwas Großem, Unsterblichem sind.

Dein Gaius Plinius

 

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