C. Plinius grüßt seinen Paternus

Krankheiten, ja, Todesfälle unter meinem Gesinde, und zwar von noch ganz jungen Leuten, haben mich hart betroffen. Zwei Trostgründe habe ich, die den tiefen Schmerz nicht aufwiegen, aber immerhin Trostgründe: einmal die Leichtigkeit der Freilassung - ich meine, sie nicht gänzlich vor der Zeit verloren zu haben, wenn ich sie als schon Freigelassene verloren habe -, zum andern, daß ich auch meinen Sklaven gestatte, eine Art Testament zu machen, und mich dann an dieses hlte, als wäre es rechtskräftig. Sie verfügen und erbitten darin, was ihnen beliebt, ich nehme es als einen Auftrag und führe ihn aus. Sie verteilen, schenken, hinterlassen, selbstverständlich innerhalb des Hauswesens; denn für Sklaven ist das Hauswesen gewissermaßen der Staat und sozusagen ihre Gemeinde. Gewiß beruhige ich mich bei diesen tröstlichen Gedanken; aber eben diese menschliche Regung, die mich dazu gebracht hat, das zu gestatten, macht mich weich und schwach. Trotzdem möchte ich deshalb doch nicht hartherziger werden. Ich weiß wohl, andre betrachten derartige Unglücksfälle nur als Vermögensverlust und dünken sich damit groß und weise. Ob sie groß und weise sind, weiß ich nicht; Denn menschlich ist es, sich zu grämen, zu leiden, doch auch, sich dagegen zu wehren und sich trösten zu lassen, nicht aber, keines Trostes zu bedürfen. Doch habe ich darüber vielleicht mehr gesagt, als ich sollte, indessen weniger, als ich wollte. Denn auch im Schmerz liegt eine Art Wohlgefühl, zumal, wenn man sich an der Brust eine Freundes ausweinen kann, bei dem man für seine Tränen Verständnis und Nachsicht findet.

Dein Gaius Plinius

 

 

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