C. Plinius grüßt seinen Acilius

Eine grausige und nicht nur eines Briefes würdige Geschichte erlebte Macedo, ein Mann von im Rang eines Prätors mit seinen Sklaven - freilich ein hochfahrender und grausamer Herr, der sich zu wenig daran erinnerte - nein, eigentlich zu sehr -, daß noch sein Vater als Sklave gearbeitet hatte. Er war beim Baden in seiner Villa in Formiae; plötzlich umzingelten ihn seine Sklaven, einer springt ihm an die Kehle, ein andrer schlägt ihm ins Gesicht, ein dritter schlug auf seine Brust ein, den Leib und sogar, wie scheußlich es zu sagen, die Schamteile, und als sie ihn für tot hielten, warfen sie ihn auf den glühend heißen Boden, um zu sehen, ob er noch lebe. Sei es , dass er nichts fühlte, sei es, dass er nur so schauspielte, als fühlte er nichts - er lag unbeweglich ausgestreckt da und erweckte das Bild eines Toten. Da erst schleiften sie ihn hinaus, als wäre er in der Hitze erstickt. Die treueren Sklaven nahmen sich seiner an, seine Konkubinen rennen heulend und kreischend zusammen. So durch das Stimmengewirr aufgeweckt und durch die Kühle der Gegend erfrischt, schlug er die Augen auf, regte seinen Körper und gab so zu erkennen - und jetzt ohne Gefahr -, dass er lebte. Die Sklaven flüchteten; viele von ihnen wurden aufgegriffen, nach den übrigen wird noch gesucht. Er selbst, mit Mühe für wenige Tage ins Leben zurückgerufen, starb mit der Genugtuung, noch als Lebender so gerächt worden zu sein wie sonst nur als Toter. Du siehst, weiviel Beleidigungen, vieviel Spott wir ausgesetzt sind; und es ist kein Grund da, dass einer ohne sorge sein könnte, weil er gnädig und milde ist; der Sklave, der seinen Herrn umbringt, macht sich keine Gedanken, sondern handelt mit Skrupellosigkeit. Doch genug! Was gibt´s sonst noch Neues? Was? Nichts! Sonst würde ich es anfügen, denn das Blatt ist noch nicht voll, und der Feiertag gibt mir die Gelegenheit noch etwas weiterzuplaudern. So will ich eine Geschichte von demselben Macedo erzählen, dei mir gerade im richtigen Moment einfällt, und die sollst Du noch hören. Als er in einem öffentlichem Bade in Rom badete, geschah etwas Bemerkenswertes, wie sich später herausstellen sollte, etwas das von Vorbedeutung war. Ein römischer Ritter, vom Sklaven des Macedo leicht mit der Hand berührt, damit er den Weg freigebe, drehte sich um und schlug - nicht den Sklaven, der ihn angerührt hatte, sondern Macedo selbst so hart mit der flachen Hand, dass er beinahe zu Boden stürzte. So war das Bad für ihn sozusagen stufenweise zunächst der Schauplatz der Beleidigung, dann der des Todes.

Dein Gaius Plinius